Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

busch
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Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von busch »

Wer hat noch nicht die störende Straßenbahn in den sog. Fußgängerzonen in Erfurt erlerbt? Nicht nur das damit die Fußgänger dauerhaft belästigt werden, sondern die Straßenbahn stellt auch eine nicht unerhebliche Unfallgefahr da. Im Grunde ist es dadurch keine Fußgängerzone, sondern für den Fußgänger eine nervenaufreibende, unerholsame Strecke, bei der man froh ist, wenn man sie wieder verlassen kann.

Dabei kann es auch anderst gehen, wenn man wollte. Allerdings wäre zu dieser Veränderung die Zeit unmittelbar nach 1990 am besten gewesen.
Ich rede von den Abschnitten Kaufmannskirche bis Eichenstraße als Nord-Südverbindung und Beginn Bahnhofstunnel bis Domplatz als Ost-Westverbindung. Also die Strecken mit der höchsten Straßenbahndichte und gleichzeitiger Fußgängerzone.

Folgender Vorschlag für die Nord-Südverbindung:

Die Straßenbahn aus Richtung Norden fährt wie gewohnt bis zur Kaufmannskirche. Dort biegt sie links in die Krämpferstraße ab, wo bereits die Gleise für die Verbindung Leipziger Str. liegen. Am Ring biegt sie dann in eine neue Trasse nach rechts ab und folgt dem Ring bis zum Presseclub. Wo genau auf dem Ring die Gleise verlegt werden können, ob rechtsseitig oder in der Mitte, muß dann von Fachleuten entschieden werden. Auf jeden Fall ist der Ring breit genug um auch die Straßenbahn aufnehmen zu können. Am Presseclub folgt die Straßenbahn dann wieder der alten Trasse.
Da die neue Trasse über den Ring im Prinzip dem Anger parallel folgt, sind auch keine wesentlichen Nachteile für die Fahrgäste zu erwarten. Die paar Schriite mehr, von einer potentiellen Haltestelle am Ring, beispielsweise vor der HUK-Coburg (gegenüber Commerzbank), bis zum Anger ist jedem zuzumuten, angesichts der enormen Vorteile, die diese Lösung für eine echte Fußgängerzone auf dem Anger hätte.

Vorschlag für die Ost-Westverbindung:

Die Bahnen aus Richtung Südost und Süd (Thüringenhalle) fahren nicht mehr durch den Bahnhofstunnel sondern fahren bis zum Knoten Kaffetrichter, wie die Bahn aus Richtung Thüringenhalle ja jetzt schon geführt wird. Dort wird die jetzige Streckenführung in Richtung Schillerstraße/Steigerstr. so beibehalten. Als Neubau müßte dann eine Trasse am Kaffetrichter in die Löberstr. einbiegen und auf die neu gebaute Trasse auf dem Ring stoßen. Am Presseclub folgt eine Linie in die Lutherstraße, wie jetzt auch schon, bis sie dann auf die bereits existierende Trasse stößt. Damit wären auch die Verbindungen zur EGA, Flughafen und Hauptfriedhof gegeben.
Domplatz neues Theater sind dann ja immer noch über die Linie aus Nord (Europaplatz,Rieth) angebunden.
Wer als Fahrgast aus Richtung Süd/Südost kommt und per Bahn zum neuen Theater/ Domplatz möchte und es von einer Haltestelle Lutherstr. per Fuß zu weit bis dahin wäre, könnte man noch über eine Verbindung von der Lutherstr. über Herrmansplatz/Holzheienstr. bis zum Mainzerhofplatz nachdenken.

Ich bin überzeugt, dass zumindest das Grundprinzip welches ich hier aufgezeigt habe, machbar ist. Fachleute müßten dann noch den sog. "Feinschliff" machen.
Natürlich ist nach der Wende schon viel Geld in das Straßenbahnnetz investiert worden, welches beim Folgen meines Vorschlages an dieser oder jener Stelle, vielleicht nicht nötig gewesen wäre. Deshalb mein Hinweis, dass dies gleich Anfang der neunziger Jahre besser hätte durchgeführt werden müssen.
Deshalb kann ich es auch nicht verstehen, dass der in Ruhestand gegangene EVAG-Geschaftsführer (Name ist mir entgangen) voller Stolz in der Presse behauptet hatte, das Erfurt die einzige Stadt in Deutschland ist, wo in der Fußgängerzone eine Straßenbahn fährt. Darauf muß man nicht Stolz, sondern zutiefst unglücklich sein, dass hier noch keine andere Lösung gefunden worden ist.
Viele Touristen schütteln nur den Kopf darüber, wenn im einer Fußgängerzone solche "Ungetüme" wie eine Straßenbahn fährt.

Aber auch jetzt würde es sich noch lohnen, diese Projekt in Angriff zu nehmen. Die Vorteile sind enorm. Der gesamte Bereich, vom Bahnhof bis Domplatz und von Kaufmannskirche über Anger bis Presseclub wäre frei von störenden Straßenbahnen ohne das die Fahrgäste nennenswerte Nachteile dadurch hätten.
Die Erfurter und die Touristen wären sehr dankbar und Erfurt wäre damit noch schöner, als es jetzt schon ist.

Ich hoffe mein Vorschlag findet im Stadtplanungsamt zumindest etwas Interesse.

mit freundlichen Grüßen

HomeAlone
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von HomeAlone »

Eine so großflächige Umlegung der Linien empfinde ich als unnötig. Es gibt Bereiche der Innenstadt, die mehr als genügend Platz aufweisen. Die Linienführung mit zentralen Umsteigepunkt Anger finde ich durchaus sinnvoll. Zu identifizieren sind die Engpässe die speziell zu Großveranstaltungen entstehen. Hierzu habe ich bereits zum BBH 2011 den Vorschlag gemacht, eine Umfahrung der Marktstraße über Angerbrunnen, Brühler Garten, Domplatz vorzunehmen.

busch
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von busch »

"Es gibt Bereiche der Innenstadt, die mehr als genügend Platz aufweisen. Die Linienführung mit zentralen Umsteigepunkt Anger finde ich durchaus sinnvoll."
So..., welche denn?? Der gesamte von mir angeführte Fußgängerbereich ist ein einziger Engpass. Nennen Sie mir eine Stadt in Deutschland, die solche katastrophalen Zustände hat und in ihren Stadtkern, der als Fußgängerzone deklariert ist, die höchste Straßenbahndichte zu verzeichnen hat. Touristen lachen mittlerweilwe ironisch über diesen Unsinn, mit dem Vermerk, typisch "Ossi". Da muß ich als Erfurter denen sogar Recht geben. Erfurt macht sich lächerlich damit.
Das was Sie vorschlagen "HomeAlone", ist halber Kram. Nicht nur die Marktstraße ist eng, sondern auch die Schlösserstraße, wenn wir mal nur in diesen Bereich der Fußgängerzone bleiben.

HomeAlone
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von HomeAlone »

Nur so als Information, wenn ich die Marktstraße entlaste, entlaste ich nach meinem Vorschlag zwangsweise auch die Schlösserstraße. Ich verweise auf folgenden Link.
Ich spreche bei "mehr als genügend Platz" vorrangig von Bereichen des Angers.
Um ehrlich zu sein kenne ich nicht so viele Städte, die einen vergleichbar großen Innenstadtkern (Altstadtkern) haben und insgesamt so wenig Einwohner. Was ich den Netzplänen entnehmen kann, verlaufen die Stadtbahnlinien in Würzburg und Braunschweig (nur als Beispiele) auch quer durch die Innenstadt. Es ist natürlich schöner im Innenstadtbereich eine U-Bahn zu haben, nur kann man sich sowas als 200'000 Einwohnerstadt nicht leisten. Auf der anderen Seite glaube ich kaum, dass irgendwer den täglichen Komfort der Anbindung in der Stadt missen möchte!

busch
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von busch »

Natürlich verlaufen in vielen Städten die Straßenbahnlinien auch durch die Innenstadt, wo auch sonst, da ist nun mal das Zentrum.
Innenstadt ist aber auch Ring, Lutherstraße, Domplatz, Krämpferstraße, Löberstraße, Eichenstraße und, und, und!!
Der Unterschied ist nur, dass man Straßenbahnlinien in anderen Städten nicht in deklarierten Fußgängerzonen fahren läßt!!Das ist nämlich sogar juristisch stark grenzwertig!!

Wenn Sie von Anbindung in der Stadt reden, wo bitte schön soll das bei meinem Vorschlag nicht gegeben sein?? Wenn Haltestellen an der Kaufmannskirche und wie vorgeschlagen gegenüber der Commerzbank (Ring)vorhanden sind, kann der Fahrgast mitten im Zentrum Ein-und Aussteigen. Wieviel Meter sind es vom Kino (Ring) bis zum Anger? Etwa 80m!! Eine Entfernung die jeden zuzumuten ist. Darüber hinaus könnte man auch überlegen, die Trasse teilweise im ehem. Bereich Gartenstraße zu legen. Damit könnte der Ring unberührt bleiben, wenn Befürchtungen vorhanden sein sollten, der Ring wäre zu schmal oder vom Autoverkehr überlastet.

Eine U-Bahn in Erfurt, da stimme ich Ihnen volkommen zu, ist illusorisch.

Sie reden von genügend Platz im Bereich des Angers. Da kann ich Ihnen nun überhaupt nicht zustimmen. Ist es nicht absurd, man verbietet das Fahradfahren im Bereich Anger/Bahnhofstraße, läßt aber die Ungetüme von Straßenbahnen fahren, deren Gefährdungs- und Platzpotential tausendmal größer ist. Versuchen Sie doch mal die Angerkreuzung als Fußgänger zu überqueren. Das ist ja fast schlimmer als wenn Sie eine stark befahrene Straße überqueren wollen und das in einer Fußgängerzone. Davon abgesehen, selbst die Straßenbahnen können nicht annähernd ihr Geschwindigkeitspotential in der sog. Fußgängerzone ausschöpfen, auf Grund der Gefahren für die Fußgänger. Das macht die Bahn teilweise uneffektiv, da sie vom Bereich Bahnhof- Domplatz oder Kaufmannskirche bis Eichenstraße rel. langsam fahren muß.

Zugegeben, mein Vorschlag mag für Viele zu revolutiunierend sein und im ersten Augenblick zu aufwendig. Aber wir möchten schon für die Zukunft bauen.
Ich bin überzeugt, dass mein Vorschlag, zumindest vom Prinzip her, irgendwann realisiert wird, weil der jetzige Zustand einfach auf Dauer nicht zu halten ist.

HomeAlone
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von HomeAlone »

Abgesehen davon, dass ich die Umsetzung dieser Idee, nicht zuletzt wegen der angespannten Haushaltslage, als nicht finanzierbar sehe, hier kurz eine grafische Aufwertung der Diskussion (wenn der Plan Fehler enthält, bitte melden!).
Bild
Ausschnitt Netzplan EVAG Erfurt, überarbeitet

Folgende Haltestellen würden ersatzlos entfallen:
  • Angerbrunnen
  • Lange Brücke
  • Neuwerkstraße
  • Brühler Garten/Lutherstraße
Weitere Probleme:
  • Linien müssten komplett umgelegt werden
  • deutlich erhöhte Belastung des Juri-Gagarin-Rings (hier laufen folglich bis zu 5! Linien parallel, wo liegt die ehem. Gartenstraße?)
  • Kurve in der westlichen Innenstadt (Brühler Garten/Gorkistraße/Theater) wird notwendig
  • äußerst enge Kurvenradien bei der Einfädelung von der Johannesstraße auf den Juri-Gagarin-Ring
Unabhängig davon stimme ich in folgenden Punkten zu:
  • Juristische Grenzwertigkeit der aktuellen Situation
  • Absurdität, dass Fahrradfahrer den Anger nicht überfahren dürfen (wurde bereits mehrfach Thematisiert)
  • Einschränkung der Leistungsfähigkeit aufgrund langsamer Geschwindigkeiten innerhalb des gesamten Fußgängerzonenbereichs

busch
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von busch »

Die Haushaltslage wird, wie in anderen Kommunen auch, immer angespannt sein. Mir ist auch klar, dass das Projekt, selbst wenn man Willens wäre, nicht von heute auf morgen realisierbar ist, aufgrund der erheblichen finanziellen Mittel.
Es gibt ab auch Möglichkeiten z.B. über den Infrastrukturfond der EU Geld zu bekommen, wie das auch beim Bau der Trasse zum Flughafen erfolgte. Übrigens für mich ein völlig überflüssiges Projekt, da die Nutzung viel zu gering ist, was man aber leicht vorher einschätzen konnte.
Weiterhin sollte man die Möglichkeiten der Bundes- und Landesbeteiligungen überprüfen.

Dem Wegfall der von Ihnen angeführten Haltestellen, könnten ja neu angelegte, an der neuen Trasse Ring entgegen stehen, fallen also nicht ersatzlos weg. Übrigens die Haltestelle BrühlerGarten/Lutherstr. würde ja garnicht wegfallen, sondern ist ja integriert in der neuen Trasse.

Zum genauen Trassenverlauf Juri-Gagarin-Ring kann es natürlich verschiedene Möglichkeiten geben. Einmal direkt auf dem Ring (rechtsseitig in fahrtrichtg. Süd) oder im Bereich Augustmauer (das meinte ich mit ehem. Gartenstraße, alte Erfurter werden diese nicht mehr existierende Straße kennen), sie beginnt Ecke Bahnhofstraße an der Einmündung zur Dresdner Bank.
Oder man legt die Trasse in das Hirschlachufer, was allerdings zur Folge hätte, dass ca. 80m wieder ein Stück Bahnhofstr. bis zur Einmündung Hirschlachufer behutzt werden muß. Platzreserven sind z.B. auch der Abzweig vor dem ehem. "Volk" Druckereigebäude, wo jetzt meit parkende Autos stehen.
Also hier müßten die Fachleute im detail entscheiden.

Eine Option wäre natürlich auch die Straßenbahn durch den Brühler Garten fahren zu lassen.
Ihr Problem Kurvenradien Einfädelung Johannesstraße-Ring kann ich nicht verstehen, da ja die Bahn von der Johannesstr. erstmal in die Krämpferstr. einbiegt und da liegt bereits das Gleis.

Wie gesagt, im Detail müssen die Fachleute die genaue Trassenführung bestimmen.
wenn die Verantwortlichen einen Sinn in dem gesamten Projekt sehen und Willens sind es zu realisieren, sollten Detailprobleme auch lösbar sein.
Frage noch: Die in Ihrer Skizze türkis gezeicnete Linie 9, was soll das für eine Linie sein?

HomeAlone
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von HomeAlone »

busch hat geschrieben:Ihr Problem Kurvenradien Einfädelung Johannesstraße-Ring kann ich nicht verstehen, da ja die Bahn von der Johannesstr. erstmal in die Krämpferstr. einbiegt und da liegt bereits das Gleis.
Da liegt das Problem. Dort liegt genau ein Gleis. Und ich bin der Meinung, das liegt genau daran, dass ein zweites inneres Gleis einen zu engen Radius hätte.
busch hat geschrieben:Frage noch: Die in Ihrer Skizze türkis gezeicnete Linie 9, was soll das für eine Linie sein?
Vorab: Die "Skizze" ist ein Extrakt aus dem Netzplan der EVAG. Ich habe lediglich die rote Linie eingefügt. Linie 9 ist die derzeitige Stadtbuslinie von Daberstedt zum Nordbahnhof.

busch
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von busch »

"Da liegt das Problem. Dort liegt genau ein Gleis. Und ich bin der Meinung, das liegt genau daran, dass ein zweites inneres Gleis einen zu engen Radius hätte."[quote][/quote]
Stützt sich Ihre Meinung auf fachspezifische Kenntnis? Wenn wirklich es technisch nicht ginge, bliebe immer noch die Möglichkeit ein Gleis durch die Meienbergstr. Richtg. ring zu führen.

HomeAlone
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von HomeAlone »

Ja ich habe Fachspezifisch damit zutun.
Im Endeffekt muss sowas aber in den entsprechenden Planungsschritten betrachtet werden.

busch
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von busch »

Im Grunde bin ich ziemlich enttäuscht über die geringe Resonanz die mein Vorschlag hervorgebracht hat. Gerade mal 1 Person beteiligt sich an der Diskussion. Dabei ist das Thema der Entflechtung der Straßenbahn von der innerstädtischen Fußgängerzone meiner Meinung nach das brennenste Problem welches Erfurt im Nahverkehr hat. Man muß fragen, ob sich alle Erfurter mit der mißlichen Situation schon so arrangiert und gewöhnt haben, dass sie eine Veränderung für utopisch halten.
Stattdessen wird über eine Verlängerung der Linien in Vororte wie Marbach, Dittelstedt usw. nachgedacht. Man kann nicht alle Ortsteile mit der Straßenbahn verbinden, das ist utopisch und wäre auch uneffizient. Die Verlängerung nach Bindersleben zeigt doch, dass ab Hauptfriedhof die Bahn nunmahl fast leer ist. Das Gleich wird zu erleben sein, wenn die Bahn nach Marbach oder Dittelstedt fahren sollte. Schade um`s Geld kann ich nur sagen.

HomeAlone
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von HomeAlone »

Ich glaube über das Thema Anbindung Bindersleben brauchen wir hier nicht zu diskutieren. Es ist geschehen und ändern können wir das jetzt nicht. Außerdem glaube ich, dass hier nicht nur der Gedanke mitgespielt hat, dass Bindersleben unbedingt einen Anschluss ans Stadtbahnnetz braucht. Da steckt glaube ich recht viel Politik in Richtung Internationaler Flughafen Erfurt dahinter. Außerdem ist zu den Stoßzeiten vom Büropark Airfurt doch eine ganz gute Auslastung (leider nur wenige Bahnen) vorhanden.

Sie haben insofern Recht, dass es schade ist keine weiteren Meinungen mehr zu erhalten. Politisch und ökonomisch sehe ich die Idee kurz- bis mittelfristig trotzdem sehr kritisch. Da geht's um Abschreibungen, Zuwendung von Land, Bund und EU etc.

Mit der Vorortanbindung sollte man differenzieren. Zum Beispiel nach Einwohnerzahlen:
  • Bindersleben 1334 Einwohner
  • Marbach 3 738 Einwohner
  • Dittelstedt 731 Einwohner
  • Sulzer Siedlung 1062 Einwohner
  • weitere Werte hier
Demnach wäre eine Anbindung von Marbach definitiv sinnvoller als eine Anbindung von Dittelstedt!

busch
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von busch »

Eine weitere Vorortanbindung ist meiner Meinung nach uneffektiv. Vorortanbindungen dienen außschließlich als Imageangabe des öffentlichen Nahverkehrs in Erfurt, ohne das davon eine sachlich fundierte Effizienz ausgehen. Selbst bei Marbach ist das so. Die Einwohnerzahl Marbach`s ist immer noch zu gering und würde überhaupt nicht die Kosten rechtfertigen, die einen Ausbau verursachen würde.
Weiterhin muß man sich die Sozial-und Bevölkerungsstruktur in solchen Vororten anschauen. In Marbach beispielsweise sind Bevölkerungszuwächse besonders durch die rel. großen Eigenheimsiedlungen entstanden. Besitzer von Eigenheimen sind aber in der Regel auch Leute, die rel. wohlhabend sind und mit Sicherheit auch über mindestens ein Auto verfügen. Meinen Sie, dass diese Bevölkerungskreise dann auf die Straßenbahn umsteigen, wenn sie zur Arbeit oder in die Stadt müssen?? Wohl kaum. Das ist in etwa dasselbe, als wenn man sich erhofft hatte, Urlaubsreisende zum Flughafen würden dann die Straßenbahn zum Flugplatz nehmen. Blödsinn hoch 5!! Hauptsache Erfurt kann sagen, die Stadtbahn fährt in Erfurt bis zum Flughafen. Nichts als Propaganda ohne Sinn. Wieviel Erfurter arbeiten im Büropark Bindersleben? Und wieviel kommen ohnehin von auswärts mit dem Auto? Und wieviel von den Erfurtern kommen mit der Straßenbahn an ihre Arbeitsstätte in den Büropark?
Wenn Sie diese Fragen beantworten, kommen Sie automatisch darauf, dass es keinen Sinn machte, die Bahn nach Bindersleben zu verlängern.
In Wahrheit mußte Geld aus dem europäischen Infrastrukturfond, welches termingebunden war "verbraten" werden. Um es nicht verfallen zu lassen, machte man den "Till Eulenspiegel" Streich und verlängerte die Bahn nach Bindersleben.
Mit diesen Geld hätte man gut und gerne die Entflechtung der Bahnen aus der Fußgängerzone in Angriff nehmen können, was tausendmal wichtiger gewesen wäre. Aber auf diese Idee kam weder im Stadtrat jemand, noch bei der EVAG, oder im Stadtplanungsamt. Es fehlte eben der gewisse Weitblick bei unseren hochdotierten Beamten und Stadtvätern.

HomeAlone
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von HomeAlone »

Wie bereits erwähnt, wir brauchen denke ich nicht über die Sinnhaftigkeit der Anbindung Binderslebens diskutieren. Rückgängig machen kann man es nicht bzw. das hätte keinen Sinn.

Bei Marbach bin ich anderer Meinung. Ist schlimm, teilweise aber auch nachvollziehbar, dass der ÖPNV in Deutschland einen so schlechten Ruf hat. Aber perspektivisch gesehen wird er eine immer größere Rolle spielen. Die gesamte Fluglobby geht in optimistischen Szenarien von einem Erdölpreis von 200$/Barrel aus. Das dürfte dann Benzin- (Diesel-)preise von weit über 2€ bringen. Da geht es nicht mehr nur darum ob ein Auto vorhanden ist sonder auch ob es sich Lohn dieses zu bewegen.
Zum Thema Marbach möchte ich auch auf eine Diskussion zum BBH 2011 verweisen. Hier gibt es meiner Auffassung nach eine simplere Methode die in der Wiederinbetriebnahme der vorhandenen Eisenbahngleise liegt. Denn mit einer Anbindung über diesen Weg mit Übergangspunkten zur Stadtbahn/bus ("Straße der Nationen", "Hauptbahnhof" und "Nordbahnhof") bringt eine schnellere Erreichbarkeit der Erfurter Innenstadt und zwar nicht nur für Marbach. Alleine die Gebiete Berliner Platz und Moskauer Platz haben über 12'000 Einwohner!

busch
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Re: Entflechtung der Straßenbahn von der Fußgängerzone

Beitrag von busch »

Bleiben wir mal am Beispiel Marbach und Ihren Vorschlag das alte vorhandene Eisenbahngleis zu nutzen.
Bis eine dort fahrende Bahn von Marbach nur am Nordbahnhof wäre, ist der Marbacher Bürger fast schon zu Fuß an der Straßenbahnhaltestelle Uni/Helios-Klinikum gelaufen. Von dort ist es bekanntlich nur noch ein kurzes Stück und man ist mit der Bahn im Stadtzentrum (Domplatz).

Eine Bahn auf den alten Gleise zu installieren und von Marbach aus zu nutzen, ist schon allein wegen der rel. langen Fahrzeit (wegen der Umwege) bis ins Stadtzentrum, völliger Unsinn.
Sie müssen doch wenigstens 2 bis 3 Haltestellen von Marbach bis Nordbahnhof anlegen, damit Neubaugebiet Moskauer Platz mit angebunden wird. Das kostet alles Zeit. Ist der Fahrgast von Marbach dann an Nordbahnhof angelangt, ist er aber immer noch nicht im Stadtzentrum. Er müßte dann umsteigen oder -wenn das Konzept es so vorsieht - weiterfahren bis Hauptbahnhof. Noch einmal Zeitverzug.
Das ganze hieße dann die "Kirche ums Dorf" tragen. Da ist der Marbacher Bürger ja balde schneller zu Fuß am Domplatz. Mit dem Fahrrad auf jeden Fall. Am Ende nutzt deswegen niemand aus Marbach diese Bahn und das Geld ist "aus den Fenster" geschüttet. Einen blödsinnerigen Vorschlag habe ich noch nicht erlebt.

Dann doch lieber einen Fahrradweg auf den alten Gleisen errichten und zwar bis Nottleben und in anderer Richtung bis Nordbahnhof. Der alte Bahndamm hat keine großen Steigungen, ideal als Radweg. Nicht unbedingt um schneller von A nach B zu kommen, sondern einfach nur als Rad-Wanderweg. Scließlich "glänzt" Erfurt nicht gerade wegen seiner Fahrradwege.
Ich frage mich was dieser ganze Quatsch um Straßenbahnanbindungen an Vororte soll. Das was bis jetzt an Anbindungen geschehen ist, ist völlig ausreichend und im Falle Bindersleben sogar völlig überflüssig.
Vorortanbindungen lohnen sich nur bei mindestens 6 bis 8tausend Einwohner pro Vorort. Nur da wäre eine Bahnverbindung annähernd ausgelastet.
Die Prioritäten liegen in Erfurt beim Straßenbahnverkehr ganz woanders. Nämlich in der Entflechtung der Bahnen in der Innenstadt (siehe mein Vorschlag in oberen Beiträgen). Hier muß der "Hebel" angesetzt werden und nicht in der immer neueren Erfindung von Vorortanbindungen.
Noch ein Wort zu Ihren perspektivischen Preisen für Benzin und Diesel. Also bei allen Verständnis für steigende Ölpreise, aber bis das Barrel Öl auf 200Dollar kommt, leben Sie lange nicht mehr, selbst wenn Sie erst 30 J. sind. Wenn Sie die Entwicklung der E-Motoren für PKW verfolgen, tut sich Einiges. In 8-10 Jahren werden wir deswegen eine Revolution bei den Antrieben haben, mit der Folge, das der spritvebrauch insgesamt nicht nur in Deutschland enorm zurück gehen wird.
Auf der anderen Seite sind die Fahrpreise im ÖPNV seit Jahren nur im Steigen begriffen. Finanziell lohnt es sich schon heute nicht unbedingt mehr den ÖPNV zu nehmen. Der ÖPNV wird eher in Zukunft an Bedeutung verlieren, als das deren Bedeutung steigt.

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