Eine sachliche Diskussion ist nötig

Das Forum zum Neubau der Rathausbrücken war bis zum 13. März 2015 12:00 geöffnet.
Dr. Reiner Prass
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Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Dr. Reiner Prass » Dienstag 3. März 2015, 11:20

Ich verfolge die Diskussionen um den Erhalt der Bäume bei der Rathausbrücke und die Neugestaltung dieser Brücke seit einiger Zeit. Bemerkenswert ist dabei nicht nur der intensive Austausch von Argumenten, der ja prinzipiell zu begrüßen ist, sondern auch die große Emotionalität der Diskussion, die oft die eigentlichen Diskussionspunkte in den Hintergrund treten lässt oder gar verdeckt. Das zeigen insbesondere die Diskussionsbeiträge vom letzten Februarwochenende. Ein solches Verhalten hilft nicht weiter. Die Diskussion sollte sich von solchen Beschimpfungen ab- und realen Argumenten wieder zuwenden!
Aber worum geht es eigentlich?
Zunächst einmal ist es eine prinzipielle Entscheidung, ob ich problemlos Bäume und andere Pflanzen einem Bauvorhaben opfere, oder ob ich mich dafür entscheide, die Bäume prinzipiell erhalten zu wolle. Die Bürgerinitiative, die auf der Krämerbrücke von deren Bewohnern und Geschäftsinhabern gegründet worden ist, nimmt genau diesen zweiten Standpunkt ein. Aber sie hat noch mehr geleistet: Sie hat genaue und realisierbare Vorschläge vorgelegt, wie eine neue Brücke gebaut werden kann, ohne dass die Bäume gefällt werden. Ein solches nicht nur negativ-kritisierendes Engagement ist prinzipiell begrüßenswert, da es sich um einen positiven Beitrag zur aktiven Gestaltung der eigenen Lebenswelt handelt. Dagegen hält die Stadtverwaltung unnachgiebig an einem Konzept fest, in dem der Erhalt der Bäume keinerlei Rolle spielt. Warum eigentlich? Mir selbst erscheint die Möglichkeit, die Bäume zu erhalten, weitaus sympathischer.
In der Diskussion wurde ferner das zu erwartende Lebensalter der Bäume angeführt. Zuerst hieß es sogar, die Bäume seien krank und müssten daher gefällt werden. Diese Information erwies sich dann aber als falsch! Später wurde gesagt, die Bäume hätte „nur“ noch eine Lebenszeit von zwanzig oder fünfzig Jahren. Daher sollten sie gefällt werden. Dem kann ich nur entgegenhalten: Es ist doch schön, dass wir und unsere Kinder uns in diesen Jahren an den Bäumen erfreuen können. Wieso sie also vorzeitig fällen?
Aber eigentlich geht es bei der Diskussion gar nicht mehr wirklich um die Bäume. Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass es der Stadtverwaltung – und dann auch den Anwohnern – um die Frage geht, wie die neue Rathausbrücke in Zukunft genutzt werden soll.
Zunächst wurde der Verkehrsfluss angesprochen. Eine breite Brücke schien notwendig zu sein, damit ein problemloser Zugang zu Krämerbrücke, Benediktsplatz und Parkplatz hinter dem Rathaus gesichert ist. Aber wer muss eigentlich dorthin? Für Anwohner und Lieferanten reicht auch eine schmalere Version der Brücke. Das gleiche gilt für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge. Das ständige Zu- und Abfahren von Parkplatzsuchenden ist in diesem Bereich eher lästig und führt gerade zu Zeiten, in denen die Stadt voller Touristen und Einheimischer beim Einkaufsbummel ist, zum Teil zu gefährlichen Situationen. Soweit ich mittlerweile erfahren habe, sieht nun auch die Stadtverwaltung vor, die ständige Zu- und Abfahrt von Parkplatzsuchenden zu unterbinden. Das ist angesichts der zum Teil chaotischen Verkehrssituation, die jetzt noch auf dem Benediktsplatz herrscht, sehr zu begrüßen. Aber warum benötigen wir dann noch eine Rathausbrücke mit einer Breite von 11 Meter?
Ein neuer Aspekt tauchte jetzt überraschend in einem Bericht der TA vom 28.2.2015 auf. Dort war zu lesen, dass die neue Brücke auch als Veranstaltungsort konzipiert sei: für Stände (Weihnachtsmarkt) und eine Bühne. Verkaufsstände finden auch auf einer schmaleren Brücke Platz. Aber wieso benötigt es Platz für eine Bühne? In dem Bereich um die Krämerbrücke existieren bereits mit dem Wenigemarkt, dem Benediktsplatz und dem Parkplatz hinter dem Rathaus ausreichend Flächen für Veranstaltungen. Warum soll dann noch eine teure Brücke für eine Bühne errichtet werden? Und wie oft soll die Brücke hierfür genutzt werden? Eine solche Konzeption macht meines Erachtens unsere Innenstadt nicht lebenswerter sondern treibt ihre Kommerzialisierung voran.
Schließlich noch ein paar Worte zum Sinn oder Unsinn dieser Website und zur Rolle des Moderators. Diese Seite wurde eingerichtet, um die Erfurter Bürger besser in die Entscheidungsfindungen in der Stadt einzubinden. Dieses Bedürfnis entstand, weil gerade die Planung zur Rathausbrücke „suboptimal“ gelaufen ist – wie Oberbürgermeister Andreas Bausewein am 28. Januar 2015 auf dem Fischmarkt selbst eingestand. Diese Funktion sollte eigentlich auch ein Moderator wahrnehmen. Der Begriff stammt ja von dem Verb moderare = mäßigen, steuern, lenken. Steuernde und lenkende Funktionen nimmt der „Moderator“ sicherlich wahr, aber von einem mäßigenden Vorgehen kann hier nicht die Rede sein. Vielmehr qualifiziert er jene Beiträge, welche die Planungen der Verwaltung kritisch kommentieren, in der Regel als unsachgemäß und beleidigend ab. Auf der anderen Seite wertet er gerne jene Beiträge als konstruktiv, die die Konzeption der Stadtverwaltung verteidigen – egal in welchem Tonfall sie gehalten sind. Dieses problematische Verhalten wird auch nicht dadurch verbessert, dass der „Moderator“ sich mittlerweile als „Redakteur“ bezeichnet. Denn dieses Forum ist dazu eingerichtet worden, Erfurts Bürger in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Das betrifft auch kritische Bürger und nicht nur Ja-Sager. Mit einem solchen Vorgehen droht die Stadtverwaltung die Politikverdrossenheit, der hiermit ja vorgebeugt werden soll, noch weiter zu fördern.
Insofern fordere ich alle Beteiligten und gerade auch die Vertreter und Vertreterinnen der Stadtverwaltung zu einer sachlicheren Diskussion und einer sachorientierten Abwägung der Argumente auf.

Ralf Müller
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Ralf Müller » Dienstag 3. März 2015, 14:19

Sie sprechen mir aus der Seele.

Danke.

PRO-Brücken
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon PRO-Brücken » Dienstag 3. März 2015, 19:31

Ralf Müller hat geschrieben:Sie sprechen mir aus der Seele.

Danke.


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Oh Gott! Jetzt melden sich schon die Herren Philosophen der Uni.
Die Rolle des Moderators ist klar definiert, aber der der hier als Redakteur gekennzeichnet ist, verteidigt genauso wie Sie nur seine Argumente. Da sei ihm gegönnt.

Julia Hurlbeck
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Julia Hurlbeck » Mittwoch 11. März 2015, 23:19

Für mich ist Erfurt seit 8 und die Altstadt seit nun 3 Jahren eine Heimat. Heimat - Darum ist Stadtentwicklung für mich und wie ich denke auch für viele Bürger ein emotionales Thema.

Menschen sind (Gott sei Dank) nicht frei von Emotionen. Es sollte allerdings zugunsten einer konstruktiven Diskussion möglich sein, eine Problematik sachlich von mehreren Seiten zu betrachten.

Eine Seite ist die Emotion:
Als die Nachricht von der Fällung aller Bäume südlich der Krämerbrücke herauskam, war zum Einen der Schrecken umso größer für die Bewohner um und auf der Brücke, weil wenige Wochen vorher auf der Nordseite viele geliebte Bäume gefällt wurden. Zum Anderen wollten viele weitere Bürger aus ganz Erfurt auf die Dezimierung der Stadtbäume aufmerksam machen. Anstatt der gegliederten Fahrbahn, sah der Neubau eine 11m breite, durchgängige Asphaltfläche vor. Ein weiterer Raum, der auf dem Computer konstruiert und visioniert wird aber im Vorstellungsvermögen (was auch auf Erfahrungswerten nach Neubauten und -gestaltungen beruht) so mancher Bürger als kahl und leblos empfunden wird.
Im Hintergrund, doch keinesfalls gleichzusetzen mit Nebensache, geht es eigentlich um die Fragen: Wo wollen wir hin mit Erfurt? Welche Werte sind uns wichtig? Was ist wertvoll an Erfurt?
Ich denke dabei u.a. an verwinkelte Gassen, Geschichte, versteckte Ecken, die man immer noch mit Freude entdecken kann, über lange Zeit gewachsene und kleinteilige Strukturen - darunter auch Bäume.
Sind das nicht auch die Aspekte, die Erfurt für ihre Besucher so reizvoll macht? Wann kippt die Atmosphäre einer Stadt? Wenn der Erfolg eines Festes nach Zahlen ermessen wird und nicht nach Qualitätsansprüchen? Wenn das maximal Mögliche und nicht das sanftere Optimum im Vordergrund steht? Wenn die Aufenthaltsqualität aus DIN-Normen besteht?
Dass diesen Punkten auch ganz rationale Erfordernisse gegenüberstehen, soll hier gar nicht ausgeklammert werden. Argumente zu den Thema Finanzen, Klimaschutz und Richtlinien sind in anderen Beitrage bereits reichlich aufgelistet.

Die Diskussion zum Neubau der Rathausbrücke sollte sich m.E. auch an "höheren" Ansprüchen zur Stadtentwicklung orientieren:
- Eine Stadt ist umso schöner, je individueller sie von ihren Bürgern geprägt und bewohnt wird. Das wissen auch Touristen zu schätzen. Gerade deshalb gehört Raum für Bewohner und alltägliches Leben in touristische Innenstädte. Und deshalb sind auch die Meinungen und Ideen der Bürger/Bewohner bei der Gestaltung der Städte wichtig.
- Bäume sind Werte, die man nicht in Zahlen fassen kann und die es gerade im Zuge der heutigen Urbanisierung in der Stadt zu pflegen, erhalten und fördern gilt.

Henrik Zimmermann
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Henrik Zimmermann » Donnerstag 12. März 2015, 09:36

Wie weiter?
In den Diskussionen hier wird letztendlich das Dilemma zwischen den geäußerten Interessen der Bürger, einer „suboptimal gelaufenen Bürgerbeteiligung“ (Originalton OB) und dem fortgeschrittenen Planungsstadium verbunden mit finanziellen Mehrkosten im Falle einer Umplanung sichtbar. In Zeiten eines angespannten Stadthaushaltes keine gute Konstellation. Vor welcher Wahl stehen die Stadträte am Ende?

1. Planung durchziehen, und damit den Unmut engagierter Bürger zusätzlich erhöhen.
2. Neuplanung verbunden mit Mehrkosten beauftragen und damit gleichzeitig das Geld für andere notwendige Projekte (Sportplätze, Flüchtlingsaufnahme,…) blockieren. Also auch wieder den Unmut der Bürger fördern.

Das riecht schon ein wenig nach der Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber vielleicht gibt es ja noch einen anderen Weg.


Sehr geehrte Stadträte,

geben Sie den Bürgern der Stadt in der Frage der Rathausbrücken ein Stück ihrer bislang verpassten Beteiligungschancen zurück!

Fassen Sie schnellstmöglich einen Beschluss für ein zweckgebundenes Spendenkonto. Werben Sie dafür auf http://www.Erfurt.de, an den Stadteingangstafeln, in Presse, Funk und Fernsehen. Richten Sie einen täglich aktualisierten „Spendencountdown“ ein!

• Wenn die Bürger bis zum 30.06.2015 die für die Umplanung angesetzten 168.000 Euro einzahlen, dann beauftragen Sie die Verwaltung mit der Umplanung und entsprechenden Umsetzung.

• Wenn weniger Geld eingeht, dann lassen Sie es zurücküberweisen.

• Wenn mehr Geld eingehen sollte, dann setzen Sie es ein, um den Zeitverzug beim Brückenbau möglichst gering zu halten.

Und wenn Sie mehrheitlich der Meinung sein sollten, dies sei nicht Aufgabe der Stadt, dann fassen Sie den Beschluss so, dass den Bürgern von Erfurt trotzdem die Zeit bis zum 30.06.2015 bleibt. Ich bin sicher, die BI „Stadtbäume statt Leerräume“ würde sich nach all den Mühen auch dieser Aufgabe noch stellen.

Ich vermute stark, auch dieser Vorschlag ist kein „Königsweg“, aber immer noch deutlich besser als Pest oder Cholera!

Ich werde spenden.
Henrik Zimmermann

Alexander Hilge
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Alexander Hilge » Donnerstag 12. März 2015, 14:25

Vielen Dank den Vorkommentatoren.

Ja, es stimmt. Die Stadtverwaltung hat es leider nicht geschafft beim Thema Rathausbrücke durchgehend die notwendige Sachlichkeit und Objektivität zu wahren. Selbstverständlich ist das Etikett unter dem ein Mitarbeiter Beiträge schreibt unerheblich. So macht es keinen Unterschied, ob er Moderator oder Redakteur ist. Er muss als Verwaltungsmitarbeiter seine Tätigkeit sachlich ausüben. Dies heißt am Ende auch, auf einen emotionalen Beitrag möglichst nicht genauso emotional zu antworten. Dies war nicht bei jeder Antwort im Forum der Fall.

Ich bedauere es aber auch, dass angesichts der Stimmungslage und einzelner sehr aufgeladener Beiträge, ein Mitarbeiter eines Fachamtes in eine Verteidigungsrolle gerät und es nicht mehr schafft, die Objektivität zu wahren. Hier muss auch eine Stadtverwaltung mit Mitarbeitern, die nicht für solche Tätigkeiten ausgebildet oder geschult sind, erst einmal lernen in einen solchen Diskurs zu treten. An dieser Stelle aber gleich - es ist keine Entschuldigung - sondern nur eine Analyse des Ist-Zustands.

Unabhängig ob Verwaltung, Politik oder Bürger- wir müssen gemeinsam daran arbeiten, Verständnis und Offenheit für die Argumente des Diskussionspartners zu entwickeln. Viele Jahre meiner beruflichen Tätigkeit haben mir gezeigt, dass Mitarbeiter einer Verwaltung in der Regel jeden Morgen die Arbeit mit dem Ziel aufnehmen, die ihnen übertragenen Aufgaben gewissenhaft zu erledigen.

Ein Punkt an dem aber sicherlich gearbeitet werden muss ist die Frage, wie Konzepte oder bevorstehende Projekte transparent kommuniziert und verlässlich diskutiert werden. Keinem Beteiligten ist daran gelegen, dass der Eindruck entsteht, dass Bürgerbeteiligung zufällig passiert. Genauso muss aber auch eine klare Handlungsempfehlung bestehen, wann und wo Beteiligung nötig und sinnvoll ist und wo sie ggf. auch endet.

Ich habe die stille Hoffnung, dass das Thema Rathausbrücke unter der Rubrik "lessons learned" einen Baustein zur Entwicklung eines guten und adäquaten Beteiligungsmodells für die Stadt Erfurt liefern kann. Aber dies muss gemeinsam entwickelt werden.

Bis es soweit ist, muss die Verwaltung im Diskurs mit Bürgern und Vertretern der Stadtratsfraktionen daran arbeiten, den gordischen Konten beim Thema Rathausbrücke zu zerschlagen. Wie Herr Zimmermann zur Abwägung der scheinbaren Alternativen schrieb:

"Das riecht schon ein wenig nach der Wahl zwischen Pest und Cholera."

Wir haben eine Situation, aus der wir intelligente Ansätze für eine Lösung brauchen. Lassen Sie uns sachlich die Argumente diskutieren und offen und ehrlich das Dafür und Dagegen abwägen. Denn manchmal sind Dinge oberflächlich ganz einfach, aber je intensiver man die Sachverhalte diskutiert und auch Hintergründe erläutert, um so eher kann man vielleicht auch das eine oder andere Argument nachvollziehen und bestenfalls mittragen oder sich andererseits von einem besseren Argument überzeugen lassen.

Alexander Hilge
Beigeordneter der Stadt Erfurt

Christine Beckert
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Christine Beckert » Donnerstag 12. März 2015, 18:33

Lieber Herr Zimmermann,

vielen Dank für Ihre guten Beiträge. Gestatten Sie mir eine Ergänzung zu diesem Punkt:

Henrik Zimmermann hat geschrieben:1. Planung durchziehen, und damit den Unmut engagierter Bürger zusätzlich erhöhen.


Unmut ist das eine. Aus Unmut entsteht vielleicht Wut. Aus Wut vielleicht Aktionen - wie auch immer die aussehen.
Mir persönlich macht aber viel mehr das Gefühl der Mutlosigkeit Angst, was viele Bürger beim Durchpeitschen der vorliegenden Planung beschleichen wird. Denn aus Mutlosigkeit entsteht Resignation. Aus Resignation vielleicht (noch mehr) Passivität. - Beides keine gute Basis für den in Erfurt aufkeimenden Wille zur echten Bürgerbeteiligung. Zumindest nicht aus Sicht der Bürger.

Christine Beckert
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Christine Beckert » Donnerstag 12. März 2015, 19:45

Henrik Zimmermann hat geschrieben:Und wenn Sie mehrheitlich der Meinung sein sollten, dies sei nicht Aufgabe der Stadt, dann fassen Sie den Beschluss so, dass den Bürgern von Erfurt trotzdem die Zeit bis zum 30.06.2015 bleibt. Ich bin sicher, die BI „Stadtbäume statt Leerräume“ würde sich nach all den Mühen auch dieser Aufgabe noch stellen.


Hallo Herr Zimmermann, Ihr Vorschlag ist zumindest eine kreative Idee, die bisher noch niemand hatte. ;-) Nachdem der Bau laut Zeitungsbericht nun offiziell auf 2016 verschoben wurde, wäre auch der Sammlungszeitraum sicherlich noch nach hinten verhandelbar. Die BI müßte sich also "nur noch" entscheiden, ob sie lieber 7.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren oder die o.g. Summe einwerben will.

Wobei - Ihren Vorschlag mal weitergesponnen: Wäre es bei der Einwerbung von Geld nicht auch fair und konsequent, die am Ort bestehenden Werte, welche die BI durch eine Neuplanung ja erhält von der Gesamtsumme abzuziehen?

Ein Rechenbeispiel wie hoch dieser Wert ist:

1. Die vier brückennahen großen Bäume haben alle einen Stammumfang von 2 Metern und mehr. (gemessen 1 m über dem Boden)

2. Bäume mit diesem Stammdurchmesser kann man in keiner Baumschule kaufen.

3. Die ältesten Bäume, die man dort kaufen kann, haben einen Stammdurchmesser von ca. 0,8 bis 1 Meter. Sie kosten, abhängig von der Art, um die 20.000,- Euro netto zzgl. Transport, zzgl. Einpflanzen, zzgl. Mehrwertsteuer. Unterm Strich steht hier also ein Wert von über 100.000,- Euro. (Eine Anwachsgarantie ist in dieser Summe natürlich nicht enthalten.)

4. Die 100.000 Euro sind nur der Wert für die 4 brückennahen Großbäume. Die 5 auf der Insel, deren Schicksal ja auch ungewiss ist, können hier noch hinzu addiert werden.

Zeit kostet Geld - auch bei Bäumen ist das so. Alte Bäume sind wertvoll. Nicht nur fürs Klima oder Mensch und Natur - nein auch finanziell. Wenn man über Werte und Zahlen spricht, sollte man auch diese Zahlen im Hinterkopf haben. Der Vergleich mit totem Nutzholz, wie er an anderer Stelle in diesem Forum genannt wurde, sprich der erzielbare Festmeter-Holzpreis, ist, will man den Wert lebender Bäume ermitteln, also völlig irrelevant.

Insofern Herr Zimmermann, wenn die Stadt Ihren Vorschlag in Erwägung zieht und halbwegs fair bei den Bedingungen ist, bin ich dabei: Beim Spenden und Spenden sammeln!

Christine Beckert
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Christine Beckert » Donnerstag 12. März 2015, 20:50

Christine Beckert hat geschrieben:Bäume mit diesem Stammdurchmesser kann man in keiner Baumschule kaufen.
Die ältesten Bäume, die man dort kaufen kann, haben einen Stammdurchmesser von ca. 0,8 bis 1 Meter.


Korrektur: … gemeint ist natürlich jeweils der Stammumfang nicht der Durchmesser.

Bernhard Schmidtmann
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Bernhard Schmidtmann » Donnerstag 12. März 2015, 21:43

Alexander Hilge hat geschrieben:Vielen Dank den Vorkommentatoren.

Ja, es stimmt. Die Stadtverwaltung hat es leider nicht geschafft beim Thema Rathausbrücke durchgehend die notwendige Sachlichkeit und Objektivität zu wahren. Selbstverständlich ist das Etikett unter dem ein Mitarbeiter Beiträge schreibt unerheblich. So macht es keinen Unterschied, ob er Moderator oder Redakteur ist. Er muss als Verwaltungsmitarbeiter seine Tätigkeit sachlich ausüben. Dies heißt am Ende auch, auf einen emotionalen Beitrag möglichst nicht genauso emotional zu antworten. Dies war nicht bei jeder Antwort im Forum der Fall.

Ich bedauere es aber auch, dass angesichts der Stimmungslage und einzelner sehr aufgeladener Beiträge, ein Mitarbeiter eines Fachamtes in eine Verteidigungsrolle gerät und es nicht mehr schafft, die Objektivität zu wahren. Hier muss auch eine Stadtverwaltung mit Mitarbeitern, die nicht für solche Tätigkeiten ausgebildet oder geschult sind, erst einmal lernen in einen solchen Diskurs zu treten. An dieser Stelle aber gleich - es ist keine Entschuldigung - sondern nur eine Analyse des Ist-Zustands.

Unabhängig ob Verwaltung, Politik oder Bürger- wir müssen gemeinsam daran arbeiten, Verständnis und Offenheit für die Argumente des Diskussionspartners zu entwickeln. Viele Jahre meiner beruflichen Tätigkeit haben mir gezeigt, dass Mitarbeiter einer Verwaltung in der Regel jeden Morgen die Arbeit mit dem Ziel aufnehmen, die ihnen übertragenen Aufgaben gewissenhaft zu erledigen.

Ein Punkt an dem aber sicherlich gearbeitet werden muss ist die Frage, wie Konzepte oder bevorstehende Projekte transparent kommuniziert und verlässlich diskutiert werden. Keinem Beteiligten ist daran gelegen, dass der Eindruck entsteht, dass Bürgerbeteiligung zufällig passiert. Genauso muss aber auch eine klare Handlungsempfehlung bestehen, wann und wo Beteiligung nötig und sinnvoll ist und wo sie ggf. auch endet.

Ich habe die stille Hoffnung, dass das Thema Rathausbrücke unter der Rubrik "lessons learned" einen Baustein zur Entwicklung eines guten und adäquaten Beteiligungsmodells für die Stadt Erfurt liefern kann. Aber dies muss gemeinsam entwickelt werden.

Bis es soweit ist, muss die Verwaltung im Diskurs mit Bürgern und Vertretern der Stadtratsfraktionen daran arbeiten, den gordischen Konten beim Thema Rathausbrücke zu zerschlagen. Wie Herr Zimmermann zur Abwägung der scheinbaren Alternativen schrieb:

"Das riecht schon ein wenig nach der Wahl zwischen Pest und Cholera."

Wir haben eine Situation, aus der wir intelligente Ansätze für eine Lösung brauchen. Lassen Sie uns sachlich die Argumente diskutieren und offen und ehrlich das Dafür und Dagegen abwägen. Denn manchmal sind Dinge oberflächlich ganz einfach, aber je intensiver man die Sachverhalte diskutiert und auch Hintergründe erläutert, um so eher kann man vielleicht auch das eine oder andere Argument nachvollziehen und bestenfalls mittragen oder sich andererseits von einem besseren Argument überzeugen lassen.

Alexander Hilge
Beigeordneter der Stadt Erfurt


Sehr geehrter Herr Hilge,
ich freue mich sehr über Ihren Beitrag, der uns alle hoffentlich wieder auf eine sachliche Ebene zurückführt! Und diese Diskussionsebene sollte ergebnisoffen sein! Die Verwaltung hat nun alle Karten auf den Tisch gelegt, legen müssen, die für die breite Brücke sprechen sollen (Stichworte "Weihnachtsstadt" und "Bühnen"). Allein - dafür gab und gibt es noch kein Votum des Erfurter Stadtrates. Soll die Rathausbrücke kommerzialisiert werden? Ja oder nein. Bei der Bürgerversammlung am kommenden Montag, bei der Sie ja vielleicht der Moderator sind, wünsche ich mir genau diese Fragestellung an die Bürgerschaft. Für künftige Online-Foren wünsche ich mir Klarnamen, damit man weiß, mit wem man kommuniziert. Und da die Brücke ja leider erst frühestens 2016 gebaut werden kann, wünsche ich mir, dass sich alle die Zeit nehmen, noch einmal neu nachzudenken. Die Idee von Herrn Zimmermann der Spendenfinanzierung einer Neuplanung finde ich angesichts unserer desaströsen Haushaltslage sehr interessant und würde auch gerne etwas für die Planung einer lebenswerten Brücke spenden. Die im Krieg zerstörte Alte Oper in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main wurde auch mit Bürgerspenden vor der Sprengung durch den (SPD-)Oberbürgermeister Rudi Arndt bewahrt und wunderschön wieder aufgebaut...
Herzliche Grüße und bis Montag, Bernhard Schmidtmann

Ralf Müller
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Ralf Müller » Freitag 13. März 2015, 10:03

Henrik Zimmermann hat geschrieben:Fassen Sie schnellstmöglich einen Beschluss für ein zweckgebundenes Spendenkonto. Werben Sie dafür auf http://www.Erfurt.de, an den Stadteingangstafeln, in Presse, Funk und Fernsehen. Richten Sie einen täglich aktualisierten „Spendencountdown“ ein!

• Wenn die Bürger bis zum ... die für die Umplanung angesetzten 168.000 Euro einzahlen, dann beauftragen Sie die Verwaltung mit der Umplanung und entsprechenden Umsetzung.

• Wenn weniger Geld eingeht, dann lassen Sie es zurücküberweisen.

• Wenn mehr Geld eingehen sollte, dann setzen Sie es ein, um den Zeitverzug beim Brückenbau möglichst gering zu halten.

Und wenn Sie mehrheitlich der Meinung sein sollten, dies sei nicht Aufgabe der Stadt, dann fassen Sie den Beschluss so, dass den Bürgern von Erfurt trotzdem die Zeit bis zum 30.06.2015 bleibt. Ich bin sicher, die BI „Stadtbäume statt Leerräume“ würde sich nach all den Mühen auch dieser Aufgabe noch stellen.

Ich vermute stark, auch dieser Vorschlag ist kein „Königsweg“, aber immer noch deutlich besser als Pest oder Cholera!

Ich werde spenden.


Ich bin dabei.

Für den Fall, dass zu wenig Geld eingeht könnte ich mir vorstellen, dass es eventuell organisatorisch aufwendig sein könnte so viele kleine Beträge zurück zu überweisen. Ich schlage als Alternative vor in diesem Fall das Geld zweckgebunden für das Neu-/Nachpflanzen von Bäumen in der Innenstadt einzusetzen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass dieses Geld zusätzlich zu den ohnehin geplanten Mitteln eingesetzt wird und nicht im Gegenzug die Planungsmittel reduziert werden.

Henrik Zimmermann
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon Henrik Zimmermann » Freitag 13. März 2015, 11:51

Sehr geehrter Herr Hilge,

da Sie mich zitieren, sei es mir gestattet, Ihnen hier direkt zu antworten.

Chapeau! Sie haben Ihre Worte wohl gewählt.

Doch wer im Deutschunterricht noch den Unterschied zwischen „anscheinend“ und „scheinbar“ [url](http://www.duden.de/rechtschreibung/sch ... rmeintlich)[/url] kennengelernt hat, der fühlt sich nach dem letzten Absatz vielleicht doch ein wenig wie Goethes Faust in der Nacht: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

Heute Morgen, mit Einstellung der neuen Visualisierungen (Glückwunsch, die besten der Stadt bislang), wird dieses Gefühl bei mir eher stärker. Warum? Es ist für mich kaum vorstellbar, dass Sie diese Bilder und das Timing dazu nicht kannten.

Wir haben in diesem Forum nach und nach erfahren dürfen/müssen, dass die Brückenbreite wohl einzig und allein der angedachten Kommerzialisierung der Rathausbrücken, für die es noch keinen erklärten Willen der Stadt gibt, geschuldet ist. Anscheinend blieb in den letzten Jahren, Monaten und Wochen auch keine Zeit, eine realitätsnahe Visualisierung für genau diesen Zustand mit Bühnen und Buden anzufertigen.

Wir haben ebenso erfahren, dass viele Anwohner im Brückenumfeld und auch andere interessierte Bürger dieser nicht unbedingt brückenspezifischen Nutzung sehr skeptisch gegenüber stehen und sich eine schmalere Brücke mit dem erhaltenswerten Baumbestand wünschen. Anscheinend blieb in den letzten Jahren, Monaten und Wochen auch keine Zeit, eine realitätsnahe Visualisierung für genau diesen Zustand mit 2 Meter schmalerer Brücke und Bestandsbäumen anzufertigen.

Anscheinend gab es auch nie einen Anlass, diese zu erwartenden Standpunkte vor der Brückenplanung zu diskutieren.

Ihre Hoffnung auf "lessons learned" bedeutet für mich übersetzt: Beim nächsten Mal (nicht beim nächsten Projekt) machen wir es besser. Die erste Chance dafür ist heute Morgen vertan worden.

Der schale Beigeschmack ist noch da. Der schnöde Mammon regiert, aber Jedermann gehört(e) ja nur zu den Festspielen auf die Domstufen! Und in Erfurt sind die waren Krämerseelen nur scheinbar auf der Krämerbrücke zuhause.

Ich wünsche Ihnen und der gebildeten Arbeitsgruppe im Interesse unserer Stadt viel Erfolg für eine neue Art der Bürgerbeteiligung.

Freundliche Grüße
Henrik Zimmermann

linawodin
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Re: Eine sachliche Diskussion ist nötig

Beitragvon linawodin » Freitag 13. März 2015, 11:57

Die Krämerbrücke gehört doch nicht dem Stadtrat oder dem Bauamt, sondern den Bürgern der Stadt Erfurt. So sollte man auch deren Wunsch akzeptieren.
Wenn die Neuplanung 17.000 EUR kostet, können die doch von den Mehrausgaben (70.000 EUR?) die die Seilbrücke am ehemaligen Pappelstieg kosten soll, als eine Holzbrücke, die viel besser in das Wohngebiet passt, nehmen. Die Stadt sollte künftig erst die Bürger befragen und dann Geld für eine Planung ausgeben.


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