Entschärfung der Verkehrssituation am Hauptbahnhof

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speedydo_13
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Entschärfung der Verkehrssituation am Hauptbahnhof

Beitrag von speedydo_13 »

Mit dem Umbau des Erfurter Hauptbahnhofes muss man den Architekten und der Stadtverwaltung eine massive Unkenntnis der Vorortsituation vorwerfen. Zum einen ist der Bahnhofstunnel zu Spitzenzeiten nicht in der Lage das Personenaufkommen zu bewältigen, zum anderen gefährden rücksichtslose Radfahrer und Fußgänger andere Verkehrsteilnehmer. Wartende Fahrgäste des ÖPNV wissen nicht, wo sie sich gefahrlos aufhalten können. Desweiteren steht man als Nichtraucher im Tunnel wie in einem grossen Aschenbecher. Von der Architektur des Bahnhofes kann man geteilter Meinung sein. Das man aber nur aus Prestigegründen die Sicherheitssituation so zuspitzt, ist mehr als grenzwertig.
Für den ÖPNV gibt es auf der stadteinwärtigen Achse kaum Rückstaufläche, für die Fahrer des ÖPNV ist die Lichtsituation im Tunnel eine Katastrophe und bei Störungen wird eine wichtige Ost-West-Verkehrsader über den Stadtparkkopf regelrecht lahmgelegt. Ausserdem ist bei der kurzen Taktung von Stadtbahn und Bus selbst als Fahrgast des Nahverkehrs ein Wechseln der Fahrbahnseite zum Umsteigen im Tunnel nur unter haarsträubendenden Bedingungen möglich.
Wieso vergibt man eine Studie über das Verhalten des Fahrradverkehrs im Bahnhofstunnel ausgerechnet an die FH, wo doch die Studierenden zum größten Teil auch Radfahrer sind? Das ist so, als würde man einen Walfänger beauftragen zu erforschen, ob eine Verschärfung des Fangverbotes für Wale Sinn macht. Das Ergebnis ist doch vorhersehbar.
Eine weitere Frage ist der Dornröschenschlaf des Busbahnhofs. In füheren Jahren wurde hier eine ordentliche Auslastung und effektive Nutzung des Areals erreicht. Wieso wurden noch mehr Stadtbuslinien in den Bahnhofstunnel gepackt und die Situation so zugespitzt? Sicherlich sind kurze Umsteigebeziehungen auch ein kostenspezifischer Faktor. Aber muss das zu Lasten der Sicherheit der Fahrgäste und anderer Verkehrsteilnehmer gehen? Eine tote junge Frau ist schon ein Opfer zuviel.

HomeAlone
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Re: Entschärfung der Verkehrssituation am Hauptbahnhof

Beitrag von HomeAlone »

speedydo_13 hat geschrieben:Wieso vergibt man eine Studie über das Verhalten des Fahrradverkehrs im Bahnhofstunnel ausgerechnet an die FH, wo doch die Studierenden zum größten Teil auch Radfahrer sind? Das ist so, als würde man einen Walfänger beauftragen zu erforschen, ob eine Verschärfung des Fangverbotes für Wale Sinn macht. Das Ergebnis ist doch vorhersehbar.
Also ich weiß nicht ob ich da eine andere Studie kenne, aber meines Wissens wurde in der Studie festgestellt, dass die Situation in der EÜ Bahnhofstraße unhaltbar ist. Und es wurden auch Verbesserungsvorschläge unterbreitet:
  1. Sperrung des Bahnhofstunnels für Radfahrer (aus diversen Gründen ungünstig)
  2. temporäre Sperrung des Bahnhofstunnels für Radfahrer (ähnlich wie auf dem Anger)
  3. Sperrung der Fahrbahn für Radfahrer, Freigabe der Gehbahn für Radfahrer (meiner Meinung nach nicht umsetzbar)
  4. Sperrung des Gehweges für Radfahrer, Freigabe der Fahrbahn
  5. Freigabe des Gehweges für Radfahrer, Freigabe der Fahrbahn
  6. Wie 4, zusätzlich Einbau eines Zaunes zwischen den zwei Fahrspuren (für mich die optimale Lösung)
  7. Wie 4, zusätzlich Einbau einer Leitschwelle zwischen den zwei Fahrspuren (riskant, da man sich hier leicht verletzen kann)
  8. Wie 4, zusätzlich Lichtsignalgesteuerte Nutzung des Tunnels für Fahrradfahrer
  9. Rückverlagerung der ÖPNV-Haltestellen auf Höhe Willy-Brandt-Platz
  10. Geschwindigkeitsbegrenzung im Tunnel
  11. Entlastung des Tunnels durch Herausnahme einzelner EVAG-Linien
  12. Verbesserung alternativer Wegeführungen für Radfahrer (sicherlich auch sinnvoll)
  13. Entlastung des Tunnels durch Öffnung des Hbf.-Südzugangs für Fußgänger (ich frage mich, warum dies nicht schon längst passiert ist. Wurde schon mal mit DB Station & Service darüber verhandelt?)
  14. Entlastung des Tunnels durch Herausnahme Fernradwege
  15. Erhöhung der Wechselmöglichkeit zwischen Gehbahn / Fahrbahn für Radfahrer
Weiterhin wurde eine Liste erarbeitet, welche die Interessenträger aufzählt, die an einer Abstimmung beteiligt sein sollten.
Noch ein Kommentar zu speedydo_13:
Das Papier wurde vom Institut Verkehr und Raum erstellt. Dort sind hauptsächlich Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter zugange. Den Anteil derer, die dort Rad fahren schätze ich eher als gering ein.

Und nun noch ein Kommentar zur Situation direkt. Vor kurzem wurde eine junge Frau in der EÜ überfahren. Im Studium wurde uns mal erzählt, dass der DURCHSCHNITTLICHE volkswirtschaftliche Verlust durch den Tod eines Menschen zirka 1 Mio. € beträgt. Bei jungen Menschen entsprechend höher, da diese noch länger arbeiten. Wenn man nun ins Verhältnis setzt, wie teuer eine oder mehrere der o.g. Maßnahmen sind, dann denke ich, kann man dies als durchaus lohnende Investition sehen. Mit einer 10 bis 1000 fachen Amortisation pro verhinderten Todesfall.

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