wie war das doch, ...

Das Forum zum Neubau der Rathausbrücken war bis zum 13. März 2015 12:00 geöffnet.
Gesperrt
Chraz
Beiträge: 1
Registriert: Mittwoch 4. März 2015, 18:20

wie war das doch, ...

Beitrag von Chraz » Mittwoch 4. März 2015, 18:44

Wie war das vor 20 Jahren als der MDR sein Landesfunkhaus bauen wollte? Die Wogen schlugen hoch weil vermeintlich die EGA geopfert wird und selbst eine Kandidatin zur OB-Wahl hatte ausschließlich dieses Thema. Erinnert sich noch jemand an die Proteste als die Pappeln an der Gothaer Staße im Zuge der Neugestaltung dieser Stadteinfahrt gefällt werden mußten? In der Magdeburger Alle stritt man, ob eine Kastanie stehen bleiben soll oder ein Neubau in der Straßenflucht entsteht. Mit zeitlichem Abstand betrachtet waren der kurzzeitige Verlust der Bäume, die jeweilige Baumaßnahme und anschließende Neupflanzung die richtige Entscheidung.
Die Kastanien auf der Venediginsel, alt, geschädigt und nicht von ewiger Dauer wurden teuer umbaut und fallen doch.
Übrigens:die Insel südlich der neuen Rathausbrücke (mit neuer Bepflanzung) wünsche ich mir genauso offen und angenommen wie den Bereich nördlich der Krämerbrücke.

florinchen
Beiträge: 9
Registriert: Dienstag 24. Februar 2015, 10:59

Re: wie war das doch, ...

Beitrag von florinchen » Donnerstag 5. März 2015, 01:39

Nein, es gibt auch Menschen, die sich schmerzlich an den Verlust "ihrer" Bäume erinnern, denn besonders die stadtmarkanten und alten Bäume sind eine Art "Lebensgefährten" und nicht einfach so zu ersetzen, seien es nur beispielsweise die Blutbuche am Binderslebener Knie....die Anger-Bäume...., auch vor der Wigberti-Kirche...
und glücklicherweise sind (noch?) nicht alle Kastanien am Venedig der Säge oder der dem Pilz zum Opfer gefallen!
Auch sind die Geschmäcker bzgl. der Umgestaltung des Krämerbrücken-Areals sehr verschieden und mir graut es schon vor weiteren Modernisierungen analog der Krämerbrücke - Nordseite mit schwarzen Betonstufen statt Naturstein, Schotter-Rasen statt Grünflächen sowie charakterlosen Besenstiel-Bäumen, es ginge auch wesentlich naturverbundener!

Dirk Steinig
Beiträge: 3
Registriert: Samstag 14. Februar 2015, 10:58

wie ist es doch...

Beitrag von Dirk Steinig » Donnerstag 5. März 2015, 12:32

@Chraz
Da haben Sie genau mein Thema getroffen.
Und weil ich einer jener Menschen war und bin, die sich u.a. für den Erhalt der großen alten Kastanien sehr eingesetzt haben und durch deren raumprägende Präsenz auch heute noch in jedem Frühling bestätigt fühlen, möchte ich dazu kurz einiges sagen.
Stellen Sie sich bitte einfach mal diesen Ort -ohne- diese großen Bäume vor.
Dass so nach und nach diese alten Riesen ihr natürliches Lebensende erreichen werden, war uns schon damals durchaus bewusst. Ebenso dürfen wir uns aber über inzwischen 8 Jahre freuen, in denen das Erfurter Venedig nicht sämtlichen Charme und den größten Teil seiner ökologischen Funktion eingebüßt hat.
Über den Begriff „kurzzeitiger Verlust“ möchte ich an dieser Stelle nicht mit Ihnen streiten. Ich denke, es ist bekannt, wie lange ein Baum braucht, um überhaupt klimatisch, ökologisch und nicht zuletzt stadtbildprägend wirksam zu werden. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass die verbleibenden Kastanien noch einige Jahre dies „leisten“. Immerhin Zeit, in denen der „mehr oder weniger wilde Baumkindergarten" auf der dortigen Insel im Breitstrom weiter wachsen kann, so dass das vorhandene Raumgefüge an dieser Stelle nicht schlagartig zerstört ist. Darüber hinaus gibt es ganz wichtige stadtökologische Aspekte, die leider in der Priorität vieler Planer nicht entsprechend berücksichtigt werden. Das Wort "ökologisch" wird genau dann bei der Bewerbung eines Projektes, nun ja, benutzt, wenn es gerade nicht angebracht ist: Wie soll ein Ufer ökologisch saniert und erhalten werden, wenn man durch Begehbarmachung einen enormen Nutzungsdruck erzeugt?
Und ein wichtiger Faktor von großen Bäumen ist natürlich auch das Mikroklima, das durch den Verlust von natürlichem Grün und Bäumen auf der Nordseite der Krämerbrücke, vorsichtig ausgedrückt, nicht besser wird.
Dies ist z.B. auch eines der Hauptargumente für den Erhalt gerade der großen, sehr schönen Bäume zwischen den Brücken auf der Südseite (Götterbaum und Bergahorn). Wenn hier immer wieder von geringen „Haltbarkeitszeiten“ der Bäume geschrieben wird, entspricht dies allenfalls manipulativen Spekulationen, jedoch nicht seriösen Aussagen von Fachleuten.
Noch einmal zu den anderen von Ihnen genannten Fallbeispielen, Chraz.
Auch, wenn ich zu jenen Erfurter Bürgern gehöre, die das etwas anders sehen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich bin nämlich, schon beruflich bedingt, dauernd in dieser schönen Stadt unterwegs. Viel zu Fuß und mit dem Fahrrad. Da sieht man vielleicht genauer hin. Und so bitte ich einfach mal diejenigen Bürger, die es tatsächlich wissen wollen, sich an den beiden Orten umzusehen, von denen Sie, Chraz, meinen, dass es die richtige Entscheidung war, die alten Bäume zu opfern. Weil ja Neupflanzungen vorgenommen wurden.
Gothaer Landstraße ist wohl das krasseste Beispiel für eine diesbezüglich völlig –tja, wie soll man das nennen?- ich verwende mal den Begriff „suboptimal“, der ist bekannt, also eine suboptimale Planung.
Von den Neupflanzungen sind mittlerweile über 40 (!) bereits wieder tot, abgesägt. Und nicht ersetzt.
Fragen Sie mal die Stadt, warum.
Und nahezu jeder weitere dieser aus einer Baumschule stammenden Ahornbäume weist so gravierende Rindenaufplatzungen und Pilzbefall auf, dass er kaum die nächsten Jahre überstehen dürfte.
Kennen Sie ein bisschen das Erfurter Klima? Nicht gut für die meisten Bäume, sag ich nur. Nähere Informationen finden Sie unter -Thüringer Klimakongress 2014-. Fand gleich um die Ecke dort statt. Auf dem Erfurter Messegelände.
Das zweite Beispiel, Magdeburger Allee ist auch nicht besser: Dort sind die meisten der großen Ersatz-Robinien, die eigentlich als robust gelten, bereits abgestorben. Viele abgesägt. Nicht ersetzt.
Tot. Fehlend. Ersatzlos. Warum?
Langanhaltende Trockenperioden, die sich häufen, Baumscheibenverdichtung durch achtloses Verhalten und mangelnde Pflege sowie vor allem auch massiver Einsatz von Streusalz, der in Erfurt leider nicht kontrolliert wird, sind einige der Ursachen. Ersatzpflanzung heißt noch lange nicht, dass dort ein Baum wächst.
An dieser Stelle setze ich die Aufzählung nicht fort. Es wird dazu vor Entscheidungsträgern einen kleinen Vortrag geben. Selbstverständlich mit zahlreichen Beispielen aus dieser schönen Stadt.
Deshalb setze ich mich so für die bestehenden Bäume ein. Wir sollten froh sein über jeden, den wir noch haben in der Innenstadt.
Ansonsten bin ich vollkommen bei @florinchen.

Gesperrt

Zurück zu „Neubau der Rathausbrücken“