Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Das Forum zum Neubau der Rathausbrücken war bis zum 13. März 2015 12:00 geöffnet.
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bruecken_engel
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Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von bruecken_engel » Samstag 28. Februar 2015, 18:07

Hallo zusammen!

Als ich gestern im Amtsblatt über die Rathausbrücke las, nahm ich den Hinweis von dort auf und habe mich hier im Internet ausführlich informiert!

Als erstes Mal ein Dank an die Verwaltung, die hier sehr viel Informationen zusammengetragen hat. Und als zweites meine Feststellung: ich bin kein Bewohner der Krämerbrücke, finde sie als Bauwerk toll. Ich bin auch für viel Grün in unserer Stadt, weil es zum Verweilen einlädt.

Nun aber zu dem, was mir auf dem Herzen liegt, nachdem ich hier auf den Internetseiten der Stadt diese Chronologie zum Bau der Brücke las:

Hier geht eindeutig hervor, dass die Stadträte mehrfach über all die Jahre sich zu dem bekannt haben, was und wie jetzt gebaut werden soll! Es gibt also gültige Beschlüsse zur Gestaltung und zum Verlust der alten Bäume, die ja durch junges Grün ersetzt werden sollen!

Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte!
. Wieso stehen Sie nicht zu dem, was Sie beschlossen haben?
. Wieso zeigen Sie kein Rückgrat Ihren eigenen Beschlüssen gegenüber?
. Wenn Sie jetzt umkippen und Dinge, die Sie selbst beschlossen haben (also die notwendige Breite der Brücke und die Baumfällungen) in Frage stellen, so stellt sich mir die Frage: haben Sie in den zurückliegenden Jahren leichtfertig Beschlüsse gefasst, die sie jetzt selbst hinterfragen? Oder geben Sie jetzt dem nach, was eine doch sehr kleine Menge der Erfurter erregt und fordert? Viel wurde ja über Transparenz und Beteiligung gesprochen - aber wenn ich dieses Forum hier sehe, zeigen ja nur wenige aktives Interesse! Wohl am meisten die Leute von der Krämerbrücke aus privatem Interesse.
. Sind Sie, verehrte Stadträte, aber nicht dafür da, die Interessen aller Erfurter abzuwägen und für das Gemeinwohl zu entscheiden? Das haben Sie mit Ihren Beschlüssen für den Neubau der Brücken getan - nun stehen Sie bitte dazu! Und stellen Sie nicht alles in Frage!

Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie: Sie wurden also von den Bürgern dieser Stadt gewählt! Das heißt auch, der Bürger hat zu akzeptieren, was Sie als Stadtrat entscheiden und beschließen! Im Sinne aller! Abwägung heißt das Zauberwort - Abwägung ALLER Interessen, Bedürfnisse, Erfordernisse!
Ich vertraue auf Ihren Sachverstand und dass Sie sich Ihrer Verantwortung allen gegenüber bewusst sind! Dann lassen Sie jetzt bitte die Brücke bauen, wie alles bereits beschlossen ist, bevor die Brücke zusammenfällt!

PS. Ich weiß, es gibt auch Leute im Stadtrat, die an den Planungen festhalten: gut so! Sie stehen zu Ihrer Entscheidung! Bitte überzeugen Sie Ihre Kollegen im Parlament!

PRO-Brücken
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Re: Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von PRO-Brücken » Samstag 28. Februar 2015, 20:28

bruecken_engel hat geschrieben:Hallo zusammen!

Als ich gestern im Amtsblatt über die Rathausbrücke las, nahm ich den Hinweis von dort auf und habe mich hier im Internet ausführlich informiert!

Als erstes Mal ein Dank an die Verwaltung, die hier sehr viel Informationen zusammengetragen hat. Und als zweites meine Feststellung: ich bin kein Bewohner der Krämerbrücke, finde sie als Bauwerk toll. Ich bin auch für viel Grün in unserer Stadt, weil es zum Verweilen einlädt.

Nun aber zu dem, was mir auf dem Herzen liegt, nachdem ich hier auf den Internetseiten der Stadt diese Chronologie zum Bau der Brücke las:

Hier geht eindeutig hervor, dass die Stadträte mehrfach über all die Jahre sich zu dem bekannt haben, was und wie jetzt gebaut werden soll! Es gibt also gültige Beschlüsse zur Gestaltung und zum Verlust der alten Bäume, die ja durch junges Grün ersetzt werden sollen!

Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte!
. Wieso stehen Sie nicht zu dem, was Sie beschlossen haben?
. Wieso zeigen Sie kein Rückgrat Ihren eigenen Beschlüssen gegenüber?
. Wenn Sie jetzt umkippen und Dinge, die Sie selbst beschlossen haben (also die notwendige Breite der Brücke und die Baumfällungen) in Frage stellen, so stellt sich mir die Frage: haben Sie in den zurückliegenden Jahren leichtfertig Beschlüsse gefasst, die sie jetzt selbst hinterfragen? Oder geben Sie jetzt dem nach, was eine doch sehr kleine Menge der Erfurter erregt und fordert? Viel wurde ja über Transparenz und Beteiligung gesprochen - aber wenn ich dieses Forum hier sehe, zeigen ja nur wenige aktives Interesse! Wohl am meisten die Leute von der Krämerbrücke aus privatem Interesse.
. Sind Sie, verehrte Stadträte, aber nicht dafür da, die Interessen aller Erfurter abzuwägen und für das Gemeinwohl zu entscheiden? Das haben Sie mit Ihren Beschlüssen für den Neubau der Brücken getan - nun stehen Sie bitte dazu! Und stellen Sie nicht alles in Frage!

Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie: Sie wurden also von den Bürgern dieser Stadt gewählt! Das heißt auch, der Bürger hat zu akzeptieren, was Sie als Stadtrat entscheiden und beschließen! Im Sinne aller! Abwägung heißt das Zauberwort - Abwägung ALLER Interessen, Bedürfnisse, Erfordernisse!
Ich vertraue auf Ihren Sachverstand und dass Sie sich Ihrer Verantwortung allen gegenüber bewusst sind! Dann lassen Sie jetzt bitte die Brücke bauen, wie alles bereits beschlossen ist, bevor die Brücke zusammenfällt!

PS. Ich weiß, es gibt auch Leute im Stadtrat, die an den Planungen festhalten: gut so! Sie stehen zu Ihrer Entscheidung! Bitte überzeugen Sie Ihre Kollegen im Parlament!
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Gut so! Endlich schreibt mal jemand was er denkt und die Wahrheit obendrein!

Erfurt-Brückenstadt
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Re: Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von Erfurt-Brückenstadt » Samstag 28. Februar 2015, 23:55

Der Einschätzung von Bruecken_Engel kann ich mich nur anschließen.
Es ist nicht verwerflich, eine andere Meinung zu haben. Fragwürdig wird es aber dann, wenn gefasste Meinungen und Entscheidung wie ein Fähnchen im Wind sind. Hier gehört das bereits genannte Rückgrat dazu, um dem Gegenwind auch einmal Paroli zu bieten. Noch schlimmer wird es aber, wenn die eigene Wankelmütigkeit vertuscht werden soll und stattdessen der achso bürgerunfreundlichen Verwaltung Fehler und Versäumnisse vorgeworfen werden. Die Verwaltung arbeitet im Auftrag des Stadtrates. Es drängt sich aber der Eindruck auf, als ob grundsätzlich den Ämtern der Stadtverwaltung ein Arbeiten gegen die Bürger und den Rat unterstellt wird. Mit welchem Grund? Hier sollte ein Umdenken eintreten. Ich fordere die Stadträte auf, wenn Sie eine komplexe Materie nicht überblicken, dann ist es nicht schlimm, wenn mit der Verwaltung der Kontakt gesucht wird. Aber mit einem vehement vertretenen Halbwissen auf die Ämter "einschlagen" ist politisch armselig.

MichaelMouse
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Registriert: Freitag 13. Februar 2015, 15:55

Re: Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von MichaelMouse » Sonntag 1. März 2015, 09:38

Gut, dass an dieser Stelle auch einmal grundsätzlich das Agieren der Krämerbrücken-BI diskutiert wird. Auch mir war das manipulative und unsachliche Gebaren ("Todesurteil") von Anfang an ein Dorn im Auge. Auch ich habe mich für die Umfaller im Stadtrat geschämt. Bürgerinitiativen sind keine demokratisch legitimierten Gremien zur Gestaltung des Allgemeinwohls. In der Regel werden sie gebildet, um Einzelinteressen durchzusetzen. Insofern sind sie im Prinzip erst einmal nichts anderes als Lobbyverbände. Das ist zwar legitim, doch besteht eine gewisse Gefahr immer dann, wenn die "hauptamtliche Politik", deren inhaltliche Ausgestaltung sich ja leider immer stärker nach Marketinggesichtspunkten vollzieht, kritik- und rückgratlos auf die Züge der Bürgerinitiativen aufspringt, um sich volksnah zu gerieren und "Likes" zu sammeln. Diese Gefahr scheint offenbar umso größer zu sein, je professioneller Bürgerinitiativen arbeiten. Das kann dazu führen, dass die Starken einer Gesellschaft, die Intelligenten, die gut Vernetzten und Eloquenten ihre Interessen in der Demokratie sublim erzwingen können. Die Interessen der Schwächeren und Unorganisierten bleiben damit auf der Strecke. Damit das eigentlich nicht passiert, gibt es die repräsentative Demokratie. Gewählte Volksvertreter entscheiden im Sinne des Allgemeinwohls und schaffen so ein optimalen Interessenausgleich. Liebe Stadträte ihr habt einen Beschluss gefasst und ward dabei wahrscheinlich nicht im Zustand geistiger Umnachtung - nun zeigt auch Rückgrat!
Ich bin in den letzten Tagen mit besonders geschärften Blick immer wieder über die Rathausbrücke gelaufen oder gefahren und habe mir versucht die Neugestaltung des Areals bildlich vorzustellen. Dabei reifte bei mir die Einsicht immer mehr: wenn die Krämerbrücke wirken soll, dann stören die Brückenbäume. Ich bin jetzt auch soweit, dass sich sage, man sollte auch Neupflanzungen an dieser Stelle unterlassen.
Meinen Beitrag möchte ich nicht als Plädoyer gegen bürgerschaftliches Engagement verstehen. Es sollte aber immer ein gemeinwohlorientiertes und sachlich gestaltetes Engagement sein. Private Lobbyverbände brauche ich jedenfalls nicht.

FrauAnne
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Re: Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von FrauAnne » Sonntag 1. März 2015, 22:03

ich kann für mich klar sagen, daß ich für den erhalt der bäume bin. und finde es spannend diese beiträge hier zu lesen.

zum beispiel die tatsache, daß ich stadtrat und verwaltung erstmal mißtrauisch gegenüber bin. das ist tatsächlich so und ich finde das schade. ich glaube, mißtrauen kommt von unkenntnis. da geht es mir sicher wie vielen anderen auch - ich bin politikmüde, weil alles so unglaublich kompliziert scheint. fühle mich dann überrollt und so gar nicht in meiner meinung vertreten. Infos bekommen? mitentscheiden? was ein RIESENaufwand und wie abschreckend! manchmal denke ich das ist gewollt, damit die volksvertreter in ruhe ihr ding machen können...

deshalb finde ich es sehr positiv von den bürgerinitiativen, mehr bürgerbeteiligung zu fordern. die wünsche ich mir auch. und zwar so, daß mitbeteiligung leicht ist und sich sinnvoll anfühlt - also, daß ich das gefühl habe auch wirklich mitentscheiden zu können. in dem falle sind auch alle schwachen etc eingeschlossen. und es macht mut, sich zu informieren, zu engagieren, sich hier in erfurt heimisch zu fühlen.

die sache mit dem rückrat kann ich auch andersherum interpretieren: die stadträte haben den mut, noch einmal innezuhalten und ihre eigenen entscheidungen in frage zustellen. das finde ich eine stärke. bloß weil etwas beschlossen ist, muß es nicht durchgeführt werden, könnte nicht noch einmal geändert werden. ich habe beruflich sehr viel mit dem leiten von gruppen zu tun. meine erfahrung zeigt mir - wenn es in der gruppe wirklich gut laufen soll, dann braucht es immer wieder neuorientierung und meldungen aus der gruppe brauchen gehör, abwägen, abstimmen mit allen. das ist es, was der stadtrat gerade tut. und das finde ich sehr gut und weitsichtig. und wenn es tatsächlich nur ein paar leute sind die gegen die fällung der bäume sind, dann bleibt es eben bei dem plan. wenn nicht, dann war es ein bedürfnis der bürger und daran sollten sich doch ihre vertreter halten und neu planen / umdenken?

Redakteur_RHB_2
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Re: Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von Redakteur_RHB_2 » Montag 2. März 2015, 08:34

MichaelMouse hat geschrieben:Gut, dass an dieser Stelle auch einmal grundsätzlich das Agieren der Krämerbrücken-BI diskutiert wird. Auch mir war das manipulative und unsachliche Gebaren ("Todesurteil") von Anfang an ein Dorn im Auge. Auch ich habe mich für die Umfaller im Stadtrat geschämt. Bürgerinitiativen sind keine demokratisch legitimierten Gremien zur Gestaltung des Allgemeinwohls. In der Regel werden sie gebildet, um Einzelinteressen durchzusetzen. Insofern sind sie im Prinzip erst einmal nichts anderes als Lobbyverbände. Das ist zwar legitim, doch besteht eine gewisse Gefahr immer dann, wenn die "hauptamtliche Politik", deren inhaltliche Ausgestaltung sich ja leider immer stärker nach Marketinggesichtspunkten vollzieht, kritik- und rückgratlos auf die Züge der Bürgerinitiativen aufspringt, um sich volksnah zu gerieren und "Likes" zu sammeln. Diese Gefahr scheint offenbar umso größer zu sein, je professioneller Bürgerinitiativen arbeiten. Das kann dazu führen, dass die Starken einer Gesellschaft, die Intelligenten, die gut Vernetzten und Eloquenten ihre Interessen in der Demokratie sublim erzwingen können. Die Interessen der Schwächeren und Unorganisierten bleiben damit auf der Strecke. Damit das eigentlich nicht passiert, gibt es die repräsentative Demokratie. Gewählte Volksvertreter entscheiden im Sinne des Allgemeinwohls und schaffen so ein optimalen Interessenausgleich. Liebe Stadträte ihr habt einen Beschluss gefasst und ward dabei wahrscheinlich nicht im Zustand geistiger Umnachtung - nun zeigt auch Rückgrat!
Ich bin in den letzten Tagen mit besonders geschärften Blick immer wieder über die Rathausbrücke gelaufen oder gefahren und habe mir versucht die Neugestaltung des Areals bildlich vorzustellen. Dabei reifte bei mir die Einsicht immer mehr: wenn die Krämerbrücke wirken soll, dann stören die Brückenbäume. Ich bin jetzt auch soweit, dass sich sage, man sollte auch Neupflanzungen an dieser Stelle unterlassen.
Meinen Beitrag möchte ich nicht als Plädoyer gegen bürgerschaftliches Engagement verstehen. Es sollte aber immer ein gemeinwohlorientiertes und sachlich gestaltetes Engagement sein. Private Lobbyverbände brauche ich jedenfalls nicht.
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Da die populistischen "Plakate" auch Bürger zu stören scheinen, werden wir dieses nochmals auf die Agenda setzen.
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Redakteur_RHB_2
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Re: Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von Redakteur_RHB_2 » Montag 2. März 2015, 08:45

FrauAnne hat geschrieben:ich kann für mich klar sagen, daß ich für den erhalt der bäume bin. und finde es spannend diese beiträge hier zu lesen.

zum beispiel die tatsache, daß ich stadtrat und verwaltung erstmal mißtrauisch gegenüber bin. das ist tatsächlich so und ich finde das schade. ich glaube, mißtrauen kommt von unkenntnis. da geht es mir sicher wie vielen anderen auch - ich bin politikmüde, weil alles so unglaublich kompliziert scheint. fühle mich dann überrollt und so gar nicht in meiner meinung vertreten. Infos bekommen? mitentscheiden? was ein RIESENaufwand und wie abschreckend! manchmal denke ich das ist gewollt, damit die volksvertreter in ruhe ihr ding machen können...

deshalb finde ich es sehr positiv von den bürgerinitiativen, mehr bürgerbeteiligung zu fordern. die wünsche ich mir auch. und zwar so, daß mitbeteiligung leicht ist und sich sinnvoll anfühlt - also, daß ich das gefühl habe auch wirklich mitentscheiden zu können. in dem falle sind auch alle schwachen etc eingeschlossen. und es macht mut, sich zu informieren, zu engagieren, sich hier in erfurt heimisch zu fühlen.

die sache mit dem rückrat kann ich auch andersherum interpretieren: die stadträte haben den mut, noch einmal innezuhalten und ihre eigenen entscheidungen in frage zustellen. das finde ich eine stärke. bloß weil etwas beschlossen ist, muß es nicht durchgeführt werden, könnte nicht noch einmal geändert werden. ich habe beruflich sehr viel mit dem leiten von gruppen zu tun. meine erfahrung zeigt mir - wenn es in der gruppe wirklich gut laufen soll, dann braucht es immer wieder neuorientierung und meldungen aus der gruppe brauchen gehör, abwägen, abstimmen mit allen. das ist es, was der stadtrat gerade tut. und das finde ich sehr gut und weitsichtig. und wenn es tatsächlich nur ein paar leute sind die gegen die fällung der bäume sind, dann bleibt es eben bei dem plan. wenn nicht, dann war es ein bedürfnis der bürger und daran sollten sich doch ihre vertreter halten und neu planen / umdenken?
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Sehr geehrte FrauAnne,

wenn Ihre Politikverdrossenheit aus Unkenntnis herrüht, wäre dies leicht zu ändern. Nicht umsonst gibt es zahlreiche Medien wie erfurt.de, Amtsblatt, Bürgerinfozentrum etc. in denen man sich informieren kann. Auch die Stadtverwaltung steht für jeden Bürger offen.
Es ist auch positiv zu werten, dass Bürger mitreden wollen und Argumente ausgetauscht werden. Die letzte Entscheidungsgewalt sollte aber dennoch bei den gewählten Volksvertretern liegen, die aufgrund von fachlichen Zuarbeiten der Stadtverwaltung Beschlüsse fassen. Man kann nicht von jedem Bürger verlangen komplexe technische oder rechtliche Materie zu durchsteigen.
Ihrer Argumentation bzgl. des Stadtrates kann ich jedoch nicht folgen. Normaler Gang ist es, dass die Planung in den Fachausschüssen beraten und beschlossen wird. So ist es auch bei den Rathausbrücken gewesen. Die Planung wurde mehrfach im Bauausschuss bestätigt und mit leichten Änderungen sogar im Dezember-Stadtrat. Wenn all diese Entscheidungen und Beschlüsse nichts mehr taugen ist das gesamte Procedere in Frage gestellt. Die Verwaltung hat dann keinerlei Sicherheit mehr, dass getroffene Entscheidungen Bestand haben. Ein kontinuierliches Arbeiten ist damit unmöglich.
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Redakteur_RHB_2
Beiträge: 40
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2015, 14:11

Re: Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von Redakteur_RHB_2 » Montag 2. März 2015, 08:49

bruecken_engel hat geschrieben:Hallo zusammen!

Als ich gestern im Amtsblatt über die Rathausbrücke las, nahm ich den Hinweis von dort auf und habe mich hier im Internet ausführlich informiert!

Als erstes Mal ein Dank an die Verwaltung, die hier sehr viel Informationen zusammengetragen hat. Und als zweites meine Feststellung: ich bin kein Bewohner der Krämerbrücke, finde sie als Bauwerk toll. Ich bin auch für viel Grün in unserer Stadt, weil es zum Verweilen einlädt.

Nun aber zu dem, was mir auf dem Herzen liegt, nachdem ich hier auf den Internetseiten der Stadt diese Chronologie zum Bau der Brücke las:

Hier geht eindeutig hervor, dass die Stadträte mehrfach über all die Jahre sich zu dem bekannt haben, was und wie jetzt gebaut werden soll! Es gibt also gültige Beschlüsse zur Gestaltung und zum Verlust der alten Bäume, die ja durch junges Grün ersetzt werden sollen!

Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte!
. Wieso stehen Sie nicht zu dem, was Sie beschlossen haben?
. Wieso zeigen Sie kein Rückgrat Ihren eigenen Beschlüssen gegenüber?
. Wenn Sie jetzt umkippen und Dinge, die Sie selbst beschlossen haben (also die notwendige Breite der Brücke und die Baumfällungen) in Frage stellen, so stellt sich mir die Frage: haben Sie in den zurückliegenden Jahren leichtfertig Beschlüsse gefasst, die sie jetzt selbst hinterfragen? Oder geben Sie jetzt dem nach, was eine doch sehr kleine Menge der Erfurter erregt und fordert? Viel wurde ja über Transparenz und Beteiligung gesprochen - aber wenn ich dieses Forum hier sehe, zeigen ja nur wenige aktives Interesse! Wohl am meisten die Leute von der Krämerbrücke aus privatem Interesse.
. Sind Sie, verehrte Stadträte, aber nicht dafür da, die Interessen aller Erfurter abzuwägen und für das Gemeinwohl zu entscheiden? Das haben Sie mit Ihren Beschlüssen für den Neubau der Brücken getan - nun stehen Sie bitte dazu! Und stellen Sie nicht alles in Frage!

Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie: Sie wurden also von den Bürgern dieser Stadt gewählt! Das heißt auch, der Bürger hat zu akzeptieren, was Sie als Stadtrat entscheiden und beschließen! Im Sinne aller! Abwägung heißt das Zauberwort - Abwägung ALLER Interessen, Bedürfnisse, Erfordernisse!
Ich vertraue auf Ihren Sachverstand und dass Sie sich Ihrer Verantwortung allen gegenüber bewusst sind! Dann lassen Sie jetzt bitte die Brücke bauen, wie alles bereits beschlossen ist, bevor die Brücke zusammenfällt!

PS. Ich weiß, es gibt auch Leute im Stadtrat, die an den Planungen festhalten: gut so! Sie stehen zu Ihrer Entscheidung! Bitte überzeugen Sie Ihre Kollegen im Parlament!
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sehr geehrter bruecken_engel,

vielen Dank für das Anlegen dieser Unterrubrik. Eine Diskussion in diese Richtung wurde bisher noch nicht getätigt und wird dieses Forum bereichern.
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HvG_aD
Beiträge: 1
Registriert: Sonntag 1. März 2015, 22:03

Re: Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von HvG_aD » Mittwoch 4. März 2015, 09:27

Hallo brücken_engel und ein Hallo an alle sich an der Diskussion zur Rathausbrücke beteiligende Mitbürger!

Ein großes Dankeschön an den brücken_engel! Auch die Stadtverwaltung muss wie die freie Wirtschaft rationell arbeiten, wenn nicht die eingehenden Steuern durch die Verwaltungskosten aufgefressen werden sollen. Allen Beschlüssen gehen umfangreiche Analysen der Probleme voraus. Beschlüsse müssen nach gründlicher Abwägung aller Gesichtspunkte gefasst werden. Will man allen Meinungen gerecht werden, kommt es nie zu einem Beschluss. Auch die demokratischen Aktivitäten kosten richtig Geld! Alle Demokraten müssen sich deshalb immer prüfen, ob sie im Sinne der Gesamtheit des Allgemeinwohles handeln! Nicht nur die vier Bäume an der Rathausbrücke sind wichtig, es ist z.B. für sehr viele Bürger der Stadt unerträglich, dass viele Erfurter Fußballvereine „erhebliche Auswirkungen für den Punktspielbetrieb“ (TA 3.3.2015) befürchten müssen, weil die Haushaltssituation die Stadt zwingt, die Sanierung der Sportplätze in den Ortsteilen zu stoppen!

Schon seit mehr als einem Jahrzehnt werden Ideen zur Umgestaltung des erweiterten Bereiches um die Krämerbrücke entwickelt, weil er von hervorragender und nachhaltiger Bedeutung für das Stadtbild und städtische Leben im Stadtzentrum ist. Man kam per Beschluss zu dem Ergebnis, dass man im Rahmen eines Wettbewerbes eine möglichst viele Interessen abdeckende Lösung für den Neubau der Rathausbrücke zu erarbeiten ist. Die Ergebnisse wurden (einschließlich der Straßenbreite und des Baumbestandes!) in vielen auch öffentlichen Abstimmungen abgewogen und führten letztlich zum Auftrag zur Auslösung der Planung des Brückenneubaus.

All diese Leistungen haben neben der umfangreichen Arbeitszeit der Verwaltung kostenintensive Planungsleistungen ausgelöst. Nun stellt man fest, dass man den 4 Bäumen in der Nähe der Brücke nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hat, dass ihr Erhalt maßgebend für alle weiteren Planungen sein müssen. Das neue Stadtbild und die Funktionalität werden uns und den nachfolgenden Generationen mindestens fünfmal länger als die Bäume erhalten bleiben. Nun sollen alle Gedanken, die einst den Wettbewerb auslösten, einschließlich der erarbeiteten Lösungsvorschläge zur Seite geschoben werden und einfach nur eine neue schmale Brücke ohne jede Aufwertung des Umfeldes geplant werden. Spätestens zum Zeitpunkt des Ablebens der Bäume wird man sich verständnislos fragen: warum hat man sich damals beim Brückenneubau für eine derartig verkrampfte Lösung entschieden, denn die Ersatzpflanzungen können dann keinesfalls am gleichen Standort erfolgen.

Nicht nur die zusätzlichen 185 000 EUR für die Umplanung belasten das Gewissen der Demokraten, sondern auch die Kosten für die vorausgegangenen Planungen und die Arbeitsleistungen der Stadtverwaltung und Parlamentarier, die damit auf dem Konto der verschleuderten Steuern landen.

FrauAnne
Beiträge: 8
Registriert: Freitag 27. Februar 2015, 22:21

Re: Über Rolle und Verantwortung unserer Stadträte

Beitrag von FrauAnne » Montag 9. März 2015, 22:02

Redakteur_RHB_2 hat geschrieben: Ihrer Argumentation bzgl. des Stadtrates kann ich jedoch nicht folgen. [...] Wenn all diese Entscheidungen und Beschlüsse nichts mehr taugen ist das gesamte Procedere in Frage gestellt. Die Verwaltung hat dann keinerlei Sicherheit mehr, dass getroffene Entscheidungen Bestand haben. Ein kontinuierliches Arbeiten ist damit unmöglich.
>>>
das sehe ich anders.
1. nicht all die entscheidungen taugen nichts mehr. meine erfahrung aus partizipation zeigt - am anfang gibt es oft viele, die gefällte entscheidungen anfechten. doch mit der zeit pegelt sich das sehr gut ein auf einige wenige brisante ausnahmen. die bürger lernen zu unterscheiden, wissen einzuschätzen was dahinter steckt und welche mühe sie selbst auch mit so einem einspruch haben. auf diese weise lernen sie auch die arbeit der verwaltung/der entscheidungsgremien ganz neu zu schätzen. es entsteht mehr achtung und gegenseitige rücksichtnahme die dann
2. auch dazu führt, daß die gewählten vertreter wesentlich bewußter walten und schalten. wenn ich weiß, jederzeit kann jemand einspruch erheben, bin ich sehr bedacht darauf, gleich von anfang dicht dran zu sein am bürger. und darum geht es doch schließlich oder? ich möchte mich nicht entmündigt fühlen sobald ich meinen stimmzettel in die wahlurne getan habe. dieses gefühl habe ich aber gerade sehr oft. gewählt und dann bin ich raus aus dem spiel? (und ich bitte darum mich hier nicht zu zitieren und all die möglichkeiten aufzuzählen, die ich wohl habe... ich bitte darum, mir dieses gefühl zuzugestehen und einfach einmal anzuhören. da hat eine bürgerin das gefühl, sie hat ihr mitbestimmungsrecht an der wahlurne abgegeben. punkt. und danach einfach mal die frage im raum stehen lassen: was kann die stadt erfurt an dieser stelle tun? und ICH überlege für mich, was ich tun kann.)

für mich ist eine gute verwaltung / stadtrat diejenige, die sich ganz und gar als den bürgern verpflichtet und dem gemeinwohl dienend sieht. und dinge ändern sich, menschen, meinungen und auch stand der wissenschaft, materialien etc. das ist leben. und so bleibt immer auch unsicherheit und die notwendigkeit, flexibel zu bleiben in plänen, beschlüssen und im eigenen inneren. darum finde ich es mutig und zeitgemäß, wenn nun der bereits gefaßte beschluß zu den rathausbrücken noch einmal überdacht wird. und ich bin für diesen schritt sehr dankbar.

Gesperrt

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